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Der erste Mellenbacher auf dem Matterhorn
 
 

Allgemeines:

Das Matterhorn (Schweiz) mit 4478 m wurde erstmals am 14.Juli 1865 über das Hörnligrad von 8 Bergsteigern bezwungen. Beim Abstieg kamen jedoch fünf der acht Erstbezwinger durch ein gerissenes Seil ums Leben. 1962 wurde der Berg dann auch das erste mal im Winter bestiegen. Mehr als 500 Bergsteiger mußten ihr Abenteuer mit dem Leben bezahlen und die Hauptgefahr ist dabei die Hektik. Weitere Ursachen sind Schlampereien beim Gehen und Sichern, eilige Überhol- und Begegnungsmanöver und die überdurchschnittliche Länge des Aufstiegs, besonders bei Schlechtwettereinbrüchen. Ein Problem stellen aber auch die glattgegrabbelten Fixseile, die nur in großen Abständen an den Fels verankert und wegen ihrer Dicke mit Handschuhen schlecht zu fassen sind, dar. Alles im allen gehört das Matterhorn zu den schwierigsten Besteigungen weltweit.
Der Nebengipfel ist der italenische Westgipfel, der mit einem Eisenkreuz versehen ist und nur eineinhalb Meter niedriger ist, als der schweizerische Ostgipfel.
Vom Matterhorn kann man im Westen auf den Montblanc blicken, im Norden sieht man den Bergriesen Dent Blanche, anschließend erfreut einen die weiße Masse des Monte Rosa und im Osten wird man mit dem Blick auf das Breithorn belohnt.

Detlef Scholz erzählt sein Abenteuer:

2007 fing alles an, als ich die erste Bergtour mit Silvio Henkel in die Texelgruppe machte, es waren 3 unvergessliche Tage. Der erste richtige Gipfel wurde bezwungen, die Hohe Wilde mit 3540m und der Bergvirus hatte mich gepackt.

2008 dann die erste Bergtour mit meinem Bergkameraden Martin aus Schlotheim. Es ging in die Schweiz ins Wallis. Schon ganz nah am Matterhorn.
Hier gingen wir einen der schönsten Klettersteige überhaupt, den Jägisteig. Seine Seilbrücke ist sehr schwierig, und echt nur für geübte Bergfreunde.Bei dieser Tour wurde auch der erste 4000er bestiegen, das Alalinhorn, 4028 m hoch. Nun waren wir endgültig von den Bergen angesteckt.

2009 ging es in die Dolomiten, wieder mit meinem Bergkameraden Martin. Am ersten Tag durchstiegen wir die Rotwand im Rosengarten auf einem gesicherten Klettersteig. Am zweiten Tag ging es wieder in den Gletscher zum Gipfel der Marmolade, und am dritten Tag noch mal auf den Sellastock, wieder auf einem Klettersteig.

2010 sollte es höher hinaus gehen. Wir fuhren nach Grindelwald, um der Eigernordwand mal ganz nah zu sein. Ein imposanter Anblick. Das war aber nicht unser Ziel. Wir wollten auf den Gipfel der Jungfrau. Nach einem Eingehtag zum Gipfel des Nordhorn, 2990m, ging es am zweiten Tag los zur Jungfrau. Um es kurz zu machen, wir scheiterten. Super Wetter, aber schlechte Vorbereitung, schlechte Ausrüstung, keine Höhenanpassung. Das ging schief. Der dritte Tag war zwar wieder super, aber der gescheiterte Gipfel nagte an der Bergsteigerehre. Das sollte nie wieder vorkommen. Zumal schon 2009 das Matterhorn bei uns Bergfreunden im Gespräch war.

Nun kam aber das Jahr 2011. Ob und wie sich der Traum vom Matterhorn erfüllte, erfahrt ihr in der nächsten Episode.


Matterhornbesteigung:

Nach vielen Monaten Training sollte es nun endlich losgehen. Der Berg wartet, aber das Wetter am Matterhorn wollte im Juli einfach nicht schön werden. Schneefall wie im tiefsten Winter. Es war kein Aufstieg möglich.
Also hieß es weiter in Mellenbach warten, und weiter fit halten. Das war leichter gesagt als getan. Aber gegen den inneren Schweinehund muss man eben gewinnen.

Am 24.8.2011 sagte der Wetterbericht eine lange Schönwetterphase voraus. Jetzt aber los. Am 26.8. war das Auto gepackt, die Aufregung groß, und ab ging es ins Wallis. Die letzte, aber entscheidende Phase der Vorbereitung begann, das Höhentraining.
Bei der Ankunft im Wallis hatten sich die letzten Regenschauer gerade verzogen, und das angesagte schöne Wetter kam, perfekt.

27 .Aug 2011: der erste 4000er zum Eingehen sollte bezwungen werden, das Allalinhorn. 4028 m hoch mit 560m Anstieg im Gletschereis eine einfache Sache. Da ich diesen Berg nicht das erste mal bestieg, ging alles recht ruhig zu. Gemütliches Frühstück, mit dem Bus zur Gondel und auf 3500m hoch. Dann Klettergurt um, Steigeisen an die Schuhe, Picke in die Hand und los. Ruhiger Schritt, ein waches Auge auf die Gletscherspalten, und nach knapp 2 Stunden ohne Pause auf dem Gipfel. Nun 30 Minuten die grandiose Aussicht genießen, mit der Sonne um die Wette strahlen, etwas Essen und dann die gleiche Tour zurück absteigen.
Nach 6 Stunden war ich wieder im Hotel und der erste Tag war super gelaufen.

28 .Aug. 2011: der zweite Tag, der zweite 4000er. Es sollte noch mal das Allalinhorn sein. Weil ich diesen Berg kannte, wollte ich ihn zweimal hintereinander besteigen, da ich ja allein war. Doch da gab es eine kurzfristige Änderung.
Am Bus zur Gondel entschloss ich mich für einen anderen Gipfel, den Weissmies 4027m hoch und 950m Aufstieg. Eine sehr gute Trainingseinheit. Das war für mich eine Erstbegehung, und somit sehr spannend. In der Gondel zur Hohsaashütte, auf 3100m, saßen viele Bergsteiger, und so musste ich nicht allein den Weissmies bezwingen. Ich hing mich hinter eine Gruppe von 4 Bergsteigern, und nach 2,5 Stunden ohne Pause war ich auf dem Gipfel. Der Weg im Eis ist zwar ausgetreten aber sehr spannend. Einige Gletscherspalten können nur auf Leitern überwunden werden. Das war eine flotte Tour, und meine Kondition ging an die Grenzen. Auch hier heiß es jetzt, 30 Minuten verweilen, um den Körper an die Höhe zu gewöhnen. Der Blick nach Italien ist von hier einmalig. Man sieht fast bis zum Comer See. Nun noch ein ruhiger Abstieg, und im Hotel die Beine hoch. Natürlich erst nach einem Bier zur Belohnung.



29. Aug 2011: Der dritte Tag, der dritte 4000er, und der wichtigste Tag in der Vorbereitung. Ich treffe das erste mal meinen Bergführer, der mich auf das Matterhorn führen soll. Er hat den heutigen Tag vorbereitet, und will mich bei einer Probetour testen. Es geht auf das Lagginhorn. 4010m hoch und 950m Aufstieg. Ein sehr interessanter 4000er, den man ohne Bergführer nicht besteigen sollte. Hier ist Klettertechnik, gute Kondition und steigen im Eis gefragt. Alles was man am Matterhorn braucht. Um es kurz zu machen, mein Bergführer war nach der Tour sehr zufrieden mit mir. Schon hier machten sich die Anstrengungen der letzten Monate in Mellenbach, und die letzten 2 Tage Höhentraining bezahlt. Nach seiner Meinung würden wir das Matterhorn „locker“ schaffen. Das gab Selbstvertrauen, und machte die Vorfreude auf diesen Berg noch größer.

30. Aug 2011: Heute früh ging es ganz ruhig los. Etwas länger schlafen, ruhig frühstücken, die Gedanken sammeln und dann alles für die Matterhornbesteigung packen. Es ist so etwas wie ein Ruhetag. Gegen Mittag ging es mit dem Auto von Saas Fee nach Täsch. Auf dem Parkplatz noch ein wenig umziehen, den gepackten Rucksack auf den Rücken, und mit dem Taxi nach Zermatt. Jetzt soll alles wahr werden, und die Pumpe fängt an zu rasen. Das erste Adrenalin schießt.
Nun tauchte dieser riesige Berg das erste mal vor mir auf. Bei diesem mächtigen Anblick denkt man plötzlich, dass alle Vorbereitung bisher nur Kinderkram war.
Beim Weg durch Zermatt bis zur Gondel verliert man den imposanten Riesen nicht mehr aus den Augen. Nun aber mit der Gondel bis Schwarzsee und dann endlich die 750m Aufstieg zur Hörnlihütte, begleitet von Bergsteigern, die morgen das gleiche Ziel haben.
Nach den Anmeldungsformalitäten auf der Hütte nun der erste Kontakt mit dem Berg. Der Einstieg wird besichtigt, und die ersten Meter zur Probe geklettert. Das ist wichtig, da morgen Früh alles bei Dunkelheit abläuft, und die ersten Griffe zügig sitzen müssen. 30 Seilschaften wollen morgen den Berg bezwingen. Auf der Hütte ist erst mal Entspannung. Mein Bergführer ist da und es ist gemütlich. Um 22.00 Uhr wird das Licht aus gemacht, und alle liegen in ihrem Lager. An richtig schlafen ist aber nicht zu denken.


31. Aug. 2011: Endlich ist es so weit. 4.30 Uhr geht das Licht in der Hörnlihütte an, nach viel zu wenig Schlaf. Aufregung und hektische Vorbereitung machen sich breit. Hose an, Gurt anlegen, Helm auf, Lampe prüfen, Jacke an, Schuhe an und zum Frühstück. Das Frühstück dauert bei mir nur eine Minute. Ein halbes Wurstbrot und eine halbe Tasse heißen Tee, und schon stehe ich bei meinem Bergführer an der Tür, die um 4.50 Uhr geöffnet wird. Da muss man ganz vorn stehen, um der ersten Hektik beim Einstieg zu entgehen. Das hat prima geklappt, aber der Puls geht hoch. Wir seilen uns an. Mein Bergführer beruhigt mich noch einmal, und dann geht die Tür auch schon auf, und es geht los in die Dunkelheit. Etwa 50 Kopflampen hinter mir im Gänsemarsch. Das pure Adrenalin schießt plötzlich durch den ganzen Körper. Wir sind die dritte Seilschaft. Jetzt nur ruhig bleiben, und am Einstieg keinen Fehler machen. Es klappt alles perfekt, und wir steigen im Fels und in der Dunkelheit sehr zügig auf. Nur die Kopflampen weisen den Weg. Die Aufregung legt sich schnell, und weicht der absoluten Konzentration auf den Bergführer und seinen Bewegungen. Er steigt vor, und ich am Sicherungsseil 2m hinter ihm. Wir kommen gut voran. Es ist noch kalt.


Nach 1,5 Stunden Aufstieg endlich das erste Tageslicht. Die Sonne geht auf, und wir sind schon 500m gestiegen, auf 3700m Höhe. Der Wetterbericht sagt einen Traumtag voraus, und die Wetterfrösche sollten Recht behalten. Ein nicht zu beschreibender Sonnenaufgang hinter uns. Schnell 2 Fotos und weiter. Nun aber die erste schwierige Passage, die unteren Mosleyplatten. Steil und wenig Sicherungsmöglichkeiten, aber mein Bergführer ist sehr erfahren, und wir meistern das Stück perfekt. Er geht das 62. Mal auf das Matterhorn. Bald ist nun die Solvayhütte auf 4001m erreicht, und der Bergführer gönnt mir die erste Pause. Flüssigkeit ist jetzt das Wichtigste. Einen Powerriegel hinterher und schon geht es nach 5 Minuten weiter. Ich habe ganz schön zu kämpfen, um das Tempo zu halten. Nun die obere Mosleyplatte, die zweite sehr schwere Passage. Hier verunglücken die meisten Bergsteiger. Volle Konzentration, jeder Griff muss sitzen, der Bergführer macht es vor. Ein dickes Fixseil hilft bei den nächsten zehn Metern. Nun kommen wir zur Schulter, einer langen Eispartie. Kurze Pause, jetzt kommen die Steigeisen an die Schuhe, und weiter. Nach der Schulter sind wir im roten Turm, an mehreren Fixseilpartien, die mir die letzten Körner abverlangen. Das erst mal wage ich einen Blick nach oben. Kein Gipfel zu sehen, die Luft wird dünner, aber weiter geht’s. Weit kann es nicht mehr sein. Wir erreichen das Dach. Noch etwa 100m bis zum Gipfel. Jetzt noch einmal durchatmen und sammeln. Die letzte lange Eispartie zum Gipfel. Die Eisen greifen gut und wir kommen mit kleinen Schritten, aber stetig voran.
Jetzt bloß keinen Fehler mehr machen. Die 60° Wand verlangt das letzte Körnchen und verzeiht keinen Fehltritt. Dann aber endlich, der Anblick der Madonna, etwa 10m unter dem Gipfel. Es ist tatsächlich geschafft. Am 31.8.2011, 8.10 Uhr stehe ich auf dem Gipfel des Matterhorn. Dieses Gefühl ist nicht zu beschreiben. Freude und Tränen, die Glückwünsche vom Bergführer, der Blick, den man nur einmal haben wird, all das stürzt plötzlich auf diesem schmalen Grad auf mich herein.

15 Minuten bleiben mir auf dem Gipfel für Fotos, Essen und Trinken, Freude, Besinnung. Dann drängt der Bergführer zum Abstieg, damit wir den nach uns kommenden Bergsteigern nicht an heiklen Stellen des Auf- und Abstiegs begegnen. Der Abstieg verlangt noch einmal alles ab. Bei der Eiswand am Dach mit 60° sieht man ständig 1000m in die Tiefe. Nichts für „Warmduscher“. Alles ist jetzt umgekehrt. Ich steige voraus, und der Bergführer sichert mich. Beim Abstieg machen wir eine Pause mehr. Wir sind gut in der Zeit. Ich brauche diese Pausen auch. Mir schwinden die Kräfte. Die ersten Bergsteiger begegnen uns und gratulieren zum Gipfelsturm. Wir machen ihnen Mut für ihre letzten Meter. Wir sind auch 4 Seilschaften begegnet, die auf halbem Weg umkehren mussten. Da war die Kraft und Kondition zu schnell weg. Es werden nicht die letzten Umkehrer an diesem Tag sein, die den Berg nicht bezwingen können.
Nach der Solvayhütte plötzlich der Rettungshubschrauber in der Wand. Schlimmes wird befürchtet. Wir müssen aber weiter absteigen, und uns konzentrieren, bloß nicht ablenken lassen. Das Wetter ist immer noch einmalig schön. Ich genieße nun erst beim Abstieg diesen Berg in seiner ganzen Schönheit. Jeder Schritt ist eine Freude, und ein Rest Adrenalin sorgt für die „zweite Luft“.


12.10 Uhr haben wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Der Abstieg ist ohne Probleme gelaufen, und mein Bergführer ist voll des Lobes über unsere Matterhornbesteigung. Wir haben die Hörnlihütte wieder gesund erreicht, und ich bin überglücklich. Jetzt haben wir nur noch großen Durst, aber da hilft der Wirt auf der Hütte gern. 2 Bier und ein leckeres Rösti mit Schinken genieße ich nun mit dem Bergführer in der herrlichen Sonne auf der Terrasse der Hörnlihütte.
Der Hubschrauber hat einen Bergsteiger mit gebrochener Schulter ausfliegen müssen. Er ist am Fixseil an den Fels geschlagen. So sagte man uns dann auf der Hütte. Gegen 14.00 Uhr heißt es nun, von der Hütte zur Gondel absteigen. Noch mal 700m Abstieg, aber mit dem Bergführer wurde der Weg zur Gondel fast ein Spaziergang. Am Abend bin ich wieder in meinem Hotel in Saas Fee angekommen, und wurde als Matterhornbesteiger richtig gefeiert. Es wurde ein langer Abend.

(c) Gemeinde Mellenbach-Glasbach 2009 - 2016