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Der Neubau des Schwimmbades Mellenbach von 1951 bis 1953 
 
Erinnerungen aufgeschrieben von Wolfgang Lödel
 
 
Durch das schwere Hochwasser des Jahres 1946 wurde das Mellenbacher Schwimmbad weitgehend zerstört. Die Kraft des Wassers hatte die nur ca. 15 cm starken Mauern unterspült und einbrechen lassen. Als das Wasser sich zurückgezogen hatte, blieb eine Schlamm- und Erdfläche übrig, die von den Vertriebenen, die nach Mellenbach kamen, als Gartenfläche genutzt wurde, um in der schweren Nachkriegszeit wenigstens etwas Gemüse anbauen zu können.

Doch als sich Anfang der fünfziger Jahre die Lebenssituation besserte, verstärkte sich auch der Wunsch der Mellenbacher Bevölkerung, dass Schwimmbad wieder aufzubauen. Steine und Sand waren durch die Fischer Hartsteinwerke sicher kein Problem für Mellenbach, aber Zement für solche Bauwerke, in einer Zeit, wo noch viele Städte in Trümmern lagen, war bestimmt schwer zu beschaffen. Aber irgendwie haben unsere Vorfahren und besonders unsere Gemeinde mit dem damaligen Bürgermeister Eisele die Wege geebnet.

Im Sommer 1951 war es dann soweit und es wurde mit dem Neuaufbau des Schwimmbades begonnen. Die Firma Abicht aus Unterweißbach hatte die untere Mauer gebaut, ein besonderes Bauwerk. Damit nicht wieder ein Hochwasser das Schwimmbad wie 1946 zerstören könnte, wurde diese Mauer ähnlich wie ein Damm gebaut, und ist unten etwa ein Meter dick. Der Weiterbau im Sommer 1952 wurde dann von einer Katzhütter Firma erledigt. Es verging wohl kein Tag an dem ich nicht auf der Baustelle war. Wenn ich mich recht erinnere war das neue Mellenbacher Schwimmbad im Sommer 1953 fertig, ganz sicher weiß ich, dass der erste Einschwimmer Horst Röhner war. Ich war dabei, konnte aber damals noch nicht schwimmen. Im Sommer 1953 hatte ich es dann gleich gelernt.

Das neue Schwimmbad entstand fast genau auf der Fläche des alten Bades. Es ist etwas kleiner und hat eine Wasserfläche von 50m x 30m. Die Mauern wurden zwar von Firmen errichtet, aber die Erdarbeiten und die gesamten Rundumgestaltungen erfolgten in freiwilligen Arbeitseinsätzen, dem damaligen Nationalen Aufbauwerk . Sonnabend Nachmittag und Sonntag Vormittag waren große Teile der Mellenbacher Bevölkerung zum freiwilligen Arbeitseinsatz im Schwimmbad, allen voran Gemeindevertreter und Bürgermeister. Zwei Jahre später wurden diese Einsätze zum Bau des Sportplatzes fortgesetzt.
 
Der Zufall wollte es, dass mein Onkel Konrad Demmler der neue Bademeister wurde. Er hatte das Bad betrieben als wäre es sein Eigentum, und so kam es auch vor, dass er sich in kritischen Situationen oft rund um die Uhr im Bad aufhielt, um z.B. bei Gewitter die Wasserzufuhr aus der Schwarza zu regeln. Die ganzen Sommer über war der Gemeindearbeiter Ludwig Derbeck zur Stelle und half mit das große Gelände in Ordnung zu halten.
 
Das Schwimmbadwasser wurde aus der Schwarza entnommen, was zu dieser Zeit kein großes Problem war, da kaum Abwässer eingeleitet wurden. Eine damals sehr moderne Chloranlage sorgte immer für sauberes und weitgehend keimfreies Wasser. Die Öffnungszeiten richteten sich nach dem Wetter. So konnte es vorkommen, dass man von 7oo Uhr bis 21oo Uhr baden konnte. Für uns Kinder war das Schwimmbad während unserer ganzen Schulzeit der liebste Aufenthalt im Sommer.
 
Die meisten Kinder hatten eine Jahreskarte, die damals 3 Mark kostete, und damit war der Zutritt jederzeit geregelt. Das Bad war zu jener Zeit ein beliebter Treffpunkt für die Jugend aller Altersgruppen. Es gab feste Plätze, an denen man sich traf. Besonders beliebt waren die Terrassen, konnte man sich doch dort hinter Büschen unbeobachtet fühlen. Das Schwimmbad war aber auch ein kultureller Treffpunkt. Es fanden während der Badesaison alle zwei Wochen Blaskonzerte statt, und oft wurden Badfeste veranstaltet. Durch die vielen Feriengäste, die in Mellenbach weilten und die Kinderferienlager, war das Bad auch immer gut besucht.
 
1000 Badegäste waren keine Seltenheit, davon kann unser heutiger Bademeister Karli nur träumen. Das Mellenbacher Schwimmbad hat eine große Tradition, die man unbedingt erhalten und fortführen sollte. Eine Badinitiative oder ein Schwimmbadverein, verbunden mit einer guten Zusammenarbeit mit der Gemeinde, kann der richtige Weg sein.

                     Wolfgang Lödel den, 21. August 2008
 
 
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