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Wie die Schneeschuhe nach Obstfelderschmiede kamen und was sie bewirkten...
 
 
Unseren Urlaub verbrachten wir im September 2006 in Graubünden und im Unterengadin in der Schweiz einem traumhaften Fleckchen Erde. Im Flur des Wohnhauses, in dem wir unsere Ferienwohnung gemietet hatten, hingen an den Wänden im Treppenaufgang alte Skier, aus Holz und mit ledernen Bindungen, mit geschnitzten Seitenläufen und Skispitzen, die mittels eine besonderen Halterung zusammengesteckt werden konnten. Die Skier glichen denen, die bis zum Aufkommen der Schichten- bzw. Kunststoffski jahrzehntelang in unserer Werkstatt hergestellt wurden. Da gab es die Langlauf- und Abfahrtslaufskier, die Springer und die Rutscher für die Kinder. Alle wurden aus Holz, aus Esche, geformt.
 
Dort in Sils kam mir die Idee aufzuschreiben, wie die Produktion von Schneeschuhen nach Obstfelderschmiede kam und wie sie sich entwickelte.
Denn so selbstverständlich war dies nicht und kam mehr oder weniger einem Zufall gleich. 

 

Unser Großvater Alwin Obstfelder übernahm ca. 1923 das Gewerbe von seinem Vater und das war fast zeitgleich mit der Fertigstellung der Oberweißbacher Bergbahn, durch die sich für die Stellmacherei auch ein neuer Kundenstamm erschloss. Nebenbei wurde in unserer Familie aber auch immer noch Landwirtschaft betrieben. Beides bedingte einander und war nicht selten für die Produktion sehr förderlich, wenn z. B. Wagenräder brachen, Rechenzinken oder Stiele entzwei gingen.
 
Jahrzehntelang wurden in der Wänerei (Wagnerei) vor allem Ernteleiterwagen, Handwagen, Räder, Sensenwürfe, Rechen, Axthelme etc. hergestellt, bevor in den 30-er, Anfang der 40-er Jahre mit der Schneeschuhherstellung begonnen wurde.  
 
Und das kam so:

Ein gewisser Emil Höfer fand Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts eine Anstellung als Geselle in der Werkstatt unseres Großvaters. Er war ein sehr geschickter und weitgereister Mann, der sehr sportlich war und sich in seiner Freizeit dem Bergsteigen verschrieben hatte. In der Zeit, als er auf der „Walze“ (Wanderschaft) in der Schweiz gewesen war, war er auf den „Geschmack“ gekommen und nutzte fortan immer die Sommermonate, um als Bergführer und Bergsteiger Beruf und Hobby miteinander zu verbinden. Deshalb arbeitete er immer nur von Oktober bis Mai bei uns in der Werkstatt als Stellmacher, um dann wieder in die Berge – meistens in die Schweiz - zu ziehen. Dort erlebte er auch den rasanten Aufschwung des Skisports und erlernte die „Geheimnisse“ der Schneeschuh-Herstellung.

Als er Mitte der dreißiger Jahre wieder einmal von seinem „Außendienst“ zurückkehrte und von meinem Großvater eingestellt wurde, begann er seine Arbeit mit den Worten: “Meister, Sie müssen sich umstellen, die Zukunft unserer Zunft liegt nicht mehr im Wagenbau und in der Reparatur zerbrochener Arbeitsgeräte, sie liegt im Tourismus!“ Und dann erzählte er unserem Opa von seinen Erlebnissen und vom Geheimnis der Skiherstellung. Genauestens hatte er sich notiert, welche Arbeitsschritte notwendig waren und welche Materialien und Werkzeuge dafür gebraucht wurden. So zum Beispiel die Biegeeisen, auf denen die vorher in Wasser getränkten Bretter gebogen wurden, oder die Schneeschuhstöcke und –spanner, Bindungen und vieles mehr. Unser Großvater – wie schon erwähnt – war ein aufgeschlossener und damals noch junger Mann, der sich neuen Aufgaben gern stellte. Von der Idee jedenfalls war er begeistert. Und sie wurde zur „materiellen Gewalt“ – unser Großvater war voller Elan und der Siegeszug der Schneeschuhproduktion weit über das Schwarzatal hinaus nicht mehr aufzuhalten!
 

Und aus heutiger Sicht fast unglaublich: Die Skier, die wir 2006 in Sils an den Wänden im Flur unseres Ferienhauses gesehen haben, wo sie wohl wie bei uns - auch in Erinnerung an alte Zeiten angebracht waren, glichen genau denen, die mein Großvater bis Ende der 40er Jahre hergestellt hat!

Emil hatte wirklich ganz genau hingesehen!!

 
Bis zu seiner Einberufung in den Krieg 1939 perfektionierten Emil und unser Großvater ihre handwerklichen Fähigkeiten auf diesem Gebiet so weit, dass die Nachfrage nach Wintersportgeräten (Schneeschuhe und Schlitten) immer mehr anwuchs und der Wintersport eine immer größere Bedeutung für die Menschen erlangte. Und weil obendrein im Winter auch noch viel Schnee fiel, der monatelang liegen blieb, erlangte der Tourismus im Schwarzatal wie im gesamten Schwarzatal eine bis dahin nicht gekannte Blütezeit. Das zeigte sich auch darin, dass die Wintersportler nun auch im Sommer kamen.
Viele Sommerfrischler reisten vor allem aus den Großstädten Leipzig und Berlin an, um ihren Urlaub hier zu verbringen. 
 
 
 
Emils privates Glück jedoch währte nicht lange, der Irrsinn des Krieges zerschlug alle Träume: Er fiel in Russland, und unser Großvater legte seinen Wunsch, eine größere Werkstatt zu bauen und mehr Leute einzustellen, zunächst ad acta..
1951 wurden ein Geselle und zwei Lehrlinge eingestellt sowie die Verkaufsstrategie unter dem Namen Bergbahnski weiter vervollkommnet.
Ende der 50er Jahre jedoch wurden neue Materialien für die Schneeschuhproduktion interessant, Schichtenskier und Schneeschuhe aus Kunststoff wurden modern . Damit war das Ende der Schmetter Schneeschuhproduktion vorprogrammiert.
 
 
Doch das ist eine andere Geschichte...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Alwin Obstfelder und sein Geselle Manfred Müller - Has in der "neuen Werkstatt" in den 50er Jahren
 


Aufgeschrieben von Ingrid Müller, 2007

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